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Aug. 9, 2022

Tech enabled Franchise & 60 Mio. Funding – Johannes Braith, Storebox

Tech enabled Franchise & 60 Mio. Funding – Johannes Braith, Storebox

Damals ist Johannes Braith von der Schule geflogen, heute führt er ein Startup Richtung Unicorn Bewertung. Wie das zusammenpasst und was das Geheimnis hinter dem Erfolg von Storebox ist, das erzählt dir Johannes im Interview.

Was du lernst:

Ist Franchise ein VC Case?

Welche Rolle spielt Tech für die Skalierbarkeit des Franchise?

Wieso wurde trotz finanzieller Erfolge ein Funding von 60 Mio. gestartet?

Was ist beim Aufbau von Storebox so richtig schiefgelaufen?

Welche Tipps hat Johannes zum Thema Werte & Teamführung?




Die Kapitel:
00:59 Was macht Storebox?
02:01 Was motiviert dich?
03:20 Wie bist du zum Venture gekommen?
05:24 Wieso ist Storebox skalierbarer als andere Franchises & welche Rolle spielt Tech dabei?
09:37 Wofür braucht ihr das VC-Geld?
11:18 Wo steckt der Tech-Faktor bei Storebox?
14:23 Wie bedient ihr euer breites Spektrum?
17:04 Wie sind die Zukunftsaussichten?
20:00 Wie seid ihr gestartet?
25:17 Teamkommunikation: Was lief gut, was nicht?
29:58 Wie seid ihr mit dem Thema Company Culture umgegangen?
32:55 Welche drei Werte sind für euch relevant & wie setzt ihr sie um?
36:36 Zu welchem Thema hast du eine konträre Meinung?
41:01 Welchen Rat gibst du oft, findest es aber schwer, ihn selbst zu befolgen?
41:32 Was würdest du an der Startup-Szene verändern, wenn du könntest
45:17 Welche drei Eigenschaften wünschst du dir für deine Kinder?

Johannes Braith
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/johannesbraith/
Storebox: https://www.yourstorebox.com/


„Natürlich befindet man sich als Gründer immer zu einem gewissen Grad in der Dysbalance.“ 

„Storebox“-Gründer Johannes Braith über sein Logistik-Start-up, Expansion und den Balanceakt des Gründerdaseins

Erst vor wenigen Tagen hat das Wiener Start-up „Storebox“ mit einer B-Series-Fundingrunde von 52 Millionen Euro für Schlagzeilen gesorgt. Tatsächlich ist das Unternehmen in den vier Jahren seit der Gründung rasant gewachsen: Inzwischen besteht das Netzwerk an Self-Storage-Lagern aus 180 Filialen in fünf europäischen Ländern.  

„Storebox ist dein Lager nebenan“, fasst der Gründer Johannes Braith die Geschäftsidee zusammen: „Aufgrund des boomenden E-Commerce gibt es immer mehr leerstehende Geschäfte. Wir nehmen leerstehende Retail Stores und transformieren sie in komplett automatisierte Self-Storages. Unsere EndkundInnen können so mit nur wenigen Klicks ihre Gegenstände einlagern.” Aber das Start-up bedient nicht nur den Endkunden, sondern auch B2B-Kunden: “Eigentlich sind wir eine One-Stop-Shop-Last-Mile-Logistiklösung, denn man kann sich seine Ware nun auch in eine Logistikbox zustellen lassen.“

Gelungen ist die rasche Expansion dem Unternehmen aufgrund eines Franchisesystems, das Menschen in verschiedenen Ländern und Städten erlaubt, Self-Storage-Units zu eröffnen. 

„Es war schon immer unsere Vision, eine kritische Masse an Standorten zu erreichen, um bei den wirklich großen Playern mitspielen zu können“, erklärt Johannes Braith die Entscheidung: „Franchise hilft uns dabei, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Unsere Franchisepartner können durch unsere Technologie sehr niedrigschwellig einen Standort betreiben.“

Trotz des Franchise-Modells bildet Venture-Capital einen wichtigen Teil des schnell wachsenden Unternehmens: 

„Wir sind nicht nur Tech-enabled, sondern ein Tech-Produkt, das Franchise-enabled ist“, meint der Jungunternehmer: „Alle Kosten, die bei Start-ups da sind, die aber nicht unbedingt alle Franchises haben, haben wir auch. Die VC-Finanzierung hilft uns dabei, Geschwindigkeit aufzunehmen und Franchise als zusätzlichen Boost zu nutzen.“

Obwohl das Unternehmen sich ursprünglich auf B2C fokussiert hat, schwenkt der Schwerpunkt immer mehr auf B2B: 

„Unser B2B Approach besteht darin, dass wir komplett automatisierte Logistikmikrohubs in den urbanen Raum bringen. In den letzten Monaten hat der B2B-Bereich unseren B2C Bereich überholt.“  Überhaupt hat das Start-up große Pläne: „Wir wollen das größte urbane dezentrale Logistiksystem Europas werden.“

Dem Gründer selbst liegt sowohl der Unternehmergeist als auch das Thema Logistik mehr oder weniger im Blut: 

„Ich habe schon als junger Bursche ungefragterweise irgendwelche Autos gewaschen und danach Geld dafür verlangt. Auch später hatte ich die unterschiedlichsten Ideen und habe mein Umfeld damit genervt, dass ich dauernd irgendwelche Ideen gepitcht habe“, erinnert sich der Start-up Gründer. Das Thema Logistik begleitet ihn ebenfalls bereits seit seiner Teenager-Zeit: 

„Als ich 17 war, bin ich als verhaltensauffälliger Schüler mit etlichen Fünfern im Zeugnis aus der Schule geflogen. Ich habe dann eine Ausbildung zum Speditionskaufmann gemacht und habe dann im zweiten Bildungsweg Logistik studiert“, erklärt der Jungunternehmer: „Das Thema Logistik beschäftigt mich bereits seit zehn Jahren. Was mich bis heute antreibt, ist jeden Tag ins Office zu kommen und die vielen Menschen zu sehen, die mit ihrem Engagement, ihrem Intellekt und allem, was sie haben, jeden Tag die Vision, die wir Gründer vor einigen Jahren ins Leben gerufen haben, realisieren. Das gibt einfach unglaublich viel Kraft und macht einfach Spaß.“

Zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung war die Geschäftsidee allerdings eine andere: 

„Wir waren am Anfang die größte Lagerplatzbörse im deutschsprachigen Raum. Ein Two-Sided-Marketplace ist allerdings immer in großer Pain. Du hast immer das Henne-Ei-Problem und dadurch die doppelten Marketingkosten und nur eine kleine Contribution.“ 

Da es sich als äußerst schwierig darstellte, das Angebot an Lagerplätzen an die Nachfrage an einem bestimmten Ort anzupassen, begann das Unternehmen leerstehende Räume in Lagerräume umzuwandeln. Ein Businessmodell, dass um einiges besser aufging: 

„Wir müssen innerhalb der ersten zwölf Monate einen harten Pivot machen. Daraufhin hatten wir einige Monate lang beide Businessmodelle parallel. In dieser Phase haben wir viel zu lange zugesehen und dabei den Fokus verloren“, reflektiert der Gründer: „Wir hatten mehr oder weniger ein Produkt, dass uns zum zweiten Produkt gebracht hat. Das zweite Produkt hat wahnsinnig gut funktioniert, aber da das erste Produkt unser Baby war, ist es uns schwergefallen, es abzudrehen. Wir waren alle First Time Founder. Sich dann einzugestehen, dass sich das ursprüngliche Geschäftsmodell nicht etablieren wird, war hart.“

Auch die Kreation der Unternehmensstruktur und die Etablierung einer Unternehmenskultur waren Teil eines längeren Prozesses: 

„In der Anfangsphase eines Unternehmens hat man so viele Feuer, die brennen und der Tag nur 24 Stunden. Company & Culture kommt aus diesem Grund meist erst als Thema auf, wenn du Product Market Fit hast“, meint der Jungunternehmer: „Bei uns war es so, dass wir uns dem Thema Culture Building relativ früh gewidmet haben. Wir haben versucht, in extern gecoachten Workshops herauszufinden, was uns als Unternehmen ausmacht.“ 

Inzwischen hat das Start-up die eigene Identität auf den Slogan „Think linked! Act Fast! Create Wow“ heruntergebrochen. „Unsere Mitarbeiter wissen genau, was das bedeutet und warum das wichtig ist. Allerdings ist es wichtig, diese Werte auch immer wieder zu hinterfragen. Man muss sich selbst gegenüber ehrlich sein und immer schlanker werden. Das ist eine aktive Arbeit, die du als Gründer oder Manager leisten musst“, erklärt Johannes Braith.  

Trotzdem glaubt er, dass zumindest ein Teil der Unternehmenskultur ganz von allein „passiert“: 

„Wenn du ein Founder bist, der für das, was er tut, wirklich brennt und lebt, bringst du die Kultur im besten Fall von allein in eine Richtung, die funktioniert, weil sich die Leute abgeholt fühlen“, meint der Jungunternehmer: „Ich glaube außerdem, dass es das Prinzip der Vollständigkeit nicht gibt. Es ist immer eine Frage der Balance. Und natürlich befindet man sich als Gründer immer zu einem gewissen Grad in der Dysbalance.“ 

Wenn ihr mehr über den Balanceakt des Gründerdaseins erfahren wollt, dann hört rein in den Podcast…