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July 29, 2022

Exit nach 2 Jahren? Beweggründe und die Reise zum Product Market Fit – Alexander Doudkin von ecotrek

Exit nach 2 Jahren? Beweggründe und die Reise zum Product Market Fit – Alexander Doudkin von ecotrek

Warum verkauft man seine Firma nach 2 Jahren?

Nachhaltigkeit für B2B-Unternehmen ist ein immer größeres Thema. Alexander Doudkin und sein Team waren 2020 genau am Zahn der Zeit. Heute verkauft er ecotrek – doch warum?

Eigentlich hatte das ecotrek Team gerade jetzt den Product Market Fit erreicht und ist bereit zu skalieren. Kurze Zeit später gibt es dann die Meldung: Ecovadis kauft den Anbieter für Software zum automatisierten Tracking der Nachhaltigkeit der Lieferanten. 

Folgende Fragen klären wir:
Warum verkauft ihr eure Firma zum Zeitpunkt des Product Market Fit?
Wie habt ihr eure ersten Kunden gefunden?
Warum habt ihr euch gegen Fundraising mit Impact-VCs entschieden?

ALEXANDER DOUDKIN:
- LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/alexander-doudkin/
- ecotrek: https://de.ecotrek.tech/

Kapitel:
1:55 Was macht ecotrek?
3:21 Was ist deine Motivation?
5:51 Wie kamst du in die Venture-Welt & wie fing alles an?
9:51 Wo steht ihr heute & was ist euer stärkster Vertriebskanal?
14:26 Warum verkauft ihr?
20:21 Warum kein Verkauf an Impact-VCs?
22:22 Welche Details sind euch für den Verkauf wichtig?
25:12 Welche Risiken musstet ihr abwägen?
27:04 In welchem Verhältnis seid ihr involviert & wie bewahrt ihr die Nachhaltigkeit?
32:16 Geld & Wachstum
33:32 Bei welchen Themen hast du eine konträre Meinung?
34:30 Welchen Tipp gibst du gerne, findest aber schwer, ihn zu befolgen?
38:26 Was würdest du an der Startup-Szene verändern, wenn du könntest?
40:41 Welche drei Eigenschaften wünschst du dir für deine Kinder?


“Not just joining forces, but joining impact”

Ecotrek-Gründer Alexander Doudkin über die Akquisition seines Start-ups, Nachhaltigkeit in der Businesswelt und warum es gerade für Gründer wichtig ist, sich selbst Grenzen zu setzen

Zwei Jahre nach der Gründung seines Start-ups Ecotrek, hat sich Alexander Doudkin entschieden, die Firma an Ecovadis zu verkaufen. Im Podcast-Interview erklärt er, warum er zu dieser Entscheidung gekommen ist: 

„Wir waren Ende letzten Jahres an einem Punkt, an dem wir wussten, dass wir ein Product Market Fit haben und launchen können. Es war immer unser Ziel, ein Produkt zu bauen, dass krass skaliert und haben aus diesem Grund angefangen, mit VCs zu sprechen. In diesen Gesprächen und im Rahmen unserer Marktrecherche hat sich dann herausgestellt, dass wir nicht allein sind. Letztendlich war es für uns am Ende die beste Entscheidung, den gemeinsamen Weg mit EcoVadis zu gehen, anstatt allein weiterzumachen.“

Tatsächlich scheinen sich bei Ecotrek und EcoVadis zwei Firmen gefunden zu haben, die an derselben Mission arbeiten. Denn während das 2007 gegründete Unternehmen EcoVadis der weltweit größte Anbieter an Nachhaltigkeitsbewertungen ist, hat auch Ecotrek eine Technologie entwickelt, die den Nachhaltigkeits-Fußabdruck von Unternehmen zusammensammelt und bewertet.

Trotzdem wird die Eingliederung seiner neunköpfigen Firma in das um ein vielfaches größtere Unternehmen  nicht ohne seine Herausforderungen sein: 

„Wenn wir vom Ziel erfolgreicher Integration sprechen, prallen natürlich verschiedene Welten aufeinander. Da gibt es sehr viel Zwischenmenschliches zu verstehen“, reflektiert der Jungunternehmer: „Wir müssen also einen Modus erschaffen, der die Stärken beider Seiten kombiniert.“ 

Alles in allem ist der Gründer überzeugt, dass die Akquisition es beiden Firmen ermöglichen wird, eine größere Auswirkung auf die Welt zu haben.  Aus diesem Grund fasst er den Merger mit dem Satz „Not just joining forces, but joining impact“ zusammen. 

Wie viele Menschen seiner Generation sieht sich Alexander Doudkin nicht in der Lage, die an Brisanz gewinnenden Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit zu ignorieren. Für ihn war daher von Anfang an klar, dass er ein Unternehmen im Nachhaltigkeitsbereich gründen will. Den Großteil seines Teams hat er bei einem Hackathon kennengelernt:

„Wir haben uns sehr für Nachhaltigkeit interessiert und uns war relativ klar, dass wir den Hebel im B2B Bereich ziehen wollen. Wir sind dann auf das Thema Einkauf gekommen, weil man in Unternehmen tendenziell sehr viele nachhaltige Dinge einkauft. Man sollte also auf jeden Fall anfangen zu messen, was man da einkauft“, meint der Jungunternehmer in Bezug auf die Idee hinter seinem Start-up. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis sie von einem Tool, dass Unternehmen ermöglicht, ihren täglichen Energieverbrauch zu visualisieren, auf das Thema Einkauf umlenkten: „Durch den Hackathon haben wir uns als Team kennengelernt. Das Produkt entstand erst viel später“, resümiert der Jungunternehmer. 

Sein wichtigster Rat an andere Gründer besteht darin, sich selbst Grenzen zu setzen: 

„Es ist wichtig, sich ganz klar einzugestehen, wenn man an seinem Limit angekommen ist. Oft komme ich abends an einem Punkt an, an dem ich theoretisch weiß, dass ich alles, was ich in den nächsten zwei Stunden mache, morgen in 15 Minuten erledigen kann. Trotzdem quäle ich mich durch diese zwei letzten Stunden, weil mich irgendwas treibt.“ 

Er selbst ist, was das „Idealbild vom ewig leistenden Menschen“, der für die Mission Tag und Nacht durcharbeitet, zwiegespalten: 

„Ich kann jeden Abend mit Freunden ausgehen, oder ich kann aktiv daran mitarbeiten, die steigende Temperatur auf unserem Planeten zu reduzieren“, erklärt der Gründer in Bezug auf die Frage, was ihn antreibt: „Grundsätzlich ist das etwas Positives. Trotzdem sehe ich mich oft im unsinnvollen Quälen meiner selbst, wenn ich ineffizient weiterarbeite, obwohl ich einfach einen Cut brauche“ 

Was die Start-up-Szene angeht, freut er sich darüber, dass die Themen Umweltschutz und Klimawandel inzwischen an Präsenz gewonnen haben:  

„Ich finde gut, dass es inzwischen mehr Initiativen zum Thema Nachhaltigkeit gibt und sich diese auch weiterentwickeln.“ Trotzdem wünscht er sich, dass die Start-up-Szene in Deutschland zukünftig enger mit den Universitäten zusammenarbeiten wird:  

„Ich selbst habe an der Berliner Hochschule für Technik BWL studiert. Das war keine typische Gründeruni, aber sie war sehr praktisch orientiert. Wir hatten Professoren, die aus dem Grundkurs Wirtschaft einen Grundkurs Start-up gemacht haben“ 

Obwohl er selbst studiert hat, findet er, dass dies bei Weitem nicht der einzige mögliche Weg ist: 

„Man sollte jungen Erwachsenen klarmachen, dass das Bildungssystem auch nur ein System ist und sie sich ihren Weg so bauen können, wie sie möchten“, meint der Gründer in Bezug auf das deutsche Schulsystem.  

Neugierig geworden? 

Wenn ihr mehr über Impact, Nachhaltigkeit und Alexander Doudkins Meinung zur Haustierhaltung in Berlin hören wollt, dann hört rein in den Podcast…