Hier gibt's die besten Hacks direkt in deine WhatsApp Inbox 💌
April 12, 2022

Produktentwicklung auslagern als Joint Venture - Seatable macht es vor | mit Christoph von Seatable

Produktentwicklung auslagern als Joint Venture - Seatable macht es vor | mit Christoph von Seatable

Wie schaffe ich in meinem Startup Strukturen, um mich voll auf meinen Bereich fokussieren zu können?

Christoph Dyllick-Brenzinger und sein Bruder setzen mit ihrem Unternehmen Seatable für nachhaltigen Erfolg auf einen Entwicklungspartner in China.

Anstatt sich selbst um die Produktentwicklung zu kümmern, sind sie vorrangig für Marketing und Vertrieb zuständig.
Warum es Sinn machen kann diese Bereiche auch in Startups, die das Tech Produkt selbst entwickeln, zu trennen, besprechen wir in diesem Interview.

Fragen, die wir klären:
Wann und wie viel Produktverantwortung kann ich als Gründer abgeben?
Wie finde ich einen guten CPO/CTO, dem ich vertrauen kann und was sollte er mitbringen? 
Welche Herausforderung stellen internationale Kooperationen für das Projekt dar und wie gehe ich damit um?

Außerdem erfährst du, warum Seatable mit TikTok ungeahnte Erfolge feiert und aus der Reichweite Benefits fürs Geschäft zieht. 

Die Kapitel: 
01:55 Was ist Seatable und was ist wichtig zu wissen?
03:22 Was waren die ausschlaggebenden Punkte für eine Kooperation mit China?
07:35 Hattet ihr jemals Probleme, Aufgaben abzugeben bzw. wolltet ihr jemals lieber die Verantwortung inhouse halten?
10:25 Wie sammelt ihr Feedback und wie filtert ihr es?
14:58 Sprache & Kultur: Wie ist das so mit einem chinesischen Partner und worauf muss man achten?
18:44 Wie weit war das Produkt, als ihr in den Sales- und Feedbackprozess gegangen seid und konntet ihr eure "alten" Kunden dafür nutzen?
22:51 Welche Kanäle nutzt ihr für Vertrieb, Sales und Kunden?
25:13 Nutzt ihr SEA und SEO?
27:28 Wie nutzt ihr TikTok für euer Unternehmen?
30:04 Wie sieht euer Tracking-/Marketingfunnel aus?
34:59 Zusammenfassung


Aufgabenteilung im internationalen Gründerteam:

SeaTable-Mitgründer Christoph Dyllick-Brenzinger über kulturelle Unterschiede, Innovation und Vertrieb

Obwohl es sich bei SeaTable auf den ersten Blick um eine Softwarefirma wie jede andere handelt, sind das Team und die Aufgabenteilung alles andere als typisch: Zum einen besteht das Gründungsteam aus zwei chinesischen Software-Entwicklern und einem aus Christoph Dyllick-Brenzinger und Dr. Ralf Dyllick-Brenzinger bestehenden deutschen Brüderpaar: 

„[Ich und mein Bruder] haben 2014 gemeinsam die Firma ‘Datamate’ gegründet und relativ schnell unser eigenes Produkt entwickelt. Darüber haben wir erste Berührungspunkte mit der Software Seafile gehabt“, erklärt Christoph Dyllick-Brenzinger. Bei letzterer handelt es sich um eine in China entwickelte Open Source Lösung für die Synchronisation von Daten.  Als diese nach einem Vertriebspartner suchte, ergab sich eine erste Zusammenarbeit zwischen den deutschen Brüdern und der chinesischen Firma: 

„Als SeaFile nach einem neuen Partner [für den Vertrieb in Europa] gesucht hat, haben wir vorsichtig unsere Hand gehoben“, erinnert sich der Gründer: „Danach haben wir zwei Jahre lang auf Provisionsbasis die Betreuung der europäischen Kunden übernommen. Diese lose Zusammenarbeit hat sich immer weiter ausgeweitet. Irgendwann hatten wir die Verantwortung für alles außerhalb von China.“ 

Dabei gab es eine sehr klare Arbeitsaufteilung: Während sich Seafile auf die Softwareentwicklung konzentrieren konnte, sorgten Christoph und Ralf Dyllick-Brenzinger als Vertriebspartner dafür, dass sich diese auch außerhalb Chinas verkaufte. Eine Win-win-Situation für beide Seiten: 

„Für [unsere Partner] ist das Thema Vertrieb oder Kundenbetreuung ein notwendiges Übel, das man mitmachen muss, obwohl man keine große Lust darauf hat“, meint Christoph Dyllick-Brenzinger: „Im Gegensatz dazu sind mein Bruder und ich keine Informatiker.”

Als das Gründerteam von Seafile entschied, mit „Seatable“ eine neue Software auf den Markt zu bringen, suchten sie nach Mitgründern. Dabei fiel der Blick von Jonathan Xu und Daniel Pan auf die Dyllick-Brenzinger Brüder: 

„Wir haben uns einen Tag Zeit genommen, um zu überlegen. Die Entscheidung ist relativ schnell gefallen“, erinnert sich Christoph Dyllick-Brenzinger. Und so kam es 2020 zu einem Gründer-Set-up, das in Start-ups relativ selten zu finden ist: Während sich das chinesische Team um die Entwicklung der Software kümmert, konzentriert sich die deutsche Hälfte des Gründerteams auf den Vertrieb und die Vermarktung außerhalb Chinas. 

„Ich bin im Herzen ein Kaufmann“, begründet der Gründer die Entscheidung: „Als Unternehmer muss man an gewissen Stellen entscheiden, was man gut kann und was man nicht so gut kann. Im Großen und Ganzen bin ich heilfroh, dass ich kein achtzigköpfiges Entwicklerteam managen muss, sondern nur mein Marketing-, Support- und kleines in Deutschland sitzende Entwicklerteam.“

Natürlich bedeutet die Aufgabenteilung nicht, dass er sich komplett aus der Produktentwicklung rausziehen kann: 

„Wir haben schon sehr großen Einfluss auf das Produkt und geben auch viel Feedback von unseren Kunden weiter“, erklärt der Jungunternehmer. Denn es gibt große kulturelle Unterschiede zwischen europäischen und asiatischen Kunden, auf die Rücksicht genommen werden muss: 

„Chinesen ticken an vielen Stellen einfach anders. Wir Deutschen planen gerne. Bei den Chinesen geht es mehr um Innovation. Während wir uns gerne in unser Kämmerlein zurückziehen und zwei Jahre lang an der perfekten Lösung arbeiten, sind die Asiaten deutlich schneller unterwegs. Die wollen neue Funktionen möglichst schnell austesten.“

Auch innerhalb des internationalen Teams von SeaTable müssen solche Unterschiede berücksichtigt werden. 

„In China geht es vor allem um Innovationsgeschwindigkeit, während wir hier im Westen Usability, Convenience und stabile Funktionen wertschätzen“, fasst der Gründer seine bisherigen Erfahrungswerte in einem Satz zusammen. Um den Kundenbedürfnissen innerhalb und außerhalb Chinas gerecht zu werden, hat das Gründungsteam sich entschieden, mit zwei Versionen zu arbeiten: 

„Es gibt eine SeaTable China Cloud und ein SeaTable Cloud für außerhalb von China“, erklärt Christoph Dyllick-Brenzinger: „Die chinesische Cloud ist meistens ein bis zwei Versionen vor unserer, weil die Chinesen anscheinend tolerieren, dass Funktionen, die noch nicht fertig entwickelt sind, in die Software aufgenommen werden, während wir in Europa nur umfassend getestete Funktionen präsentieren. Aus diesem Grund präsentieren wir [außerhalb Chinas] nur alle ein bis zwei Monate eine neue Version.“ 

Das Beispiel zeigt, dass sich in den meisten Fällen gute Kompromisse finden lassen, die der kulturellen Prägung der Mitarbeiter und Kunden aus verschiedenen Kulturen gerecht wird. Um dies zu gewährleisten, ist vor allem gute Kommunikation notwendig: 

„Reden, Reden, Reden ist das Einzige, was am Ende hilft, um diese Unterschiede auch zu erkennen und eine gute Lösung zu finden.“

Auch was das Marketing angeht, verfolgt SeaTable einen eigenen Weg: Denn obwohl das Start-up sich an Privat- und Businesskunden richtet, verlässt sich das Unternehmen vor allem auf Suchmaschinenoptimierung, um neue Kunden zu gewinnen: 

„Wir machen keine Kaltakquise. Da wir keinen bestimmten Branchenfokus haben, ist es schwierig, einen Direktvertrieb zu machen. Wir bieten also einfach ein gutes Produkt an und sorgen dafür, dass wir auffindbar sind, wenn die Leute ein konkretes Problem formulieren.“

Neugierig geworden? Wenn ihr erfahren wollt, warum SeaTable kein Google Analytics nutzt und durch welche anderen Besonderheiten das deutsch-chinesische Start-up hervorsticht, dann hört rein in den Podcast… 

CHRISTOPH DYLLICK-BRENZINGER

Christoph auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/christoph-dyllick-brenzinger/
Seatable: https://seatable.io/

WHATSAPP NEWSLETTER:

1-2x wöchentlich bekommst du eine persönliche Sprachnotiz oder Inhalte von mir, die dich zu einem besseren Gründer machen, melde dich jetzt mit einem Klick an: https://jungunternehmerpodcast.com/newsletter

DU GRÜNDEST EIN STARTUP?

Falls du bei deiner Startup Gründung Hilfe brauchst, meld dich gerne. Fabian, der Host dieses Podcasts, arbeitet mit diversen Startups die zwischen Pre-Seed und Series A stecken zusammen und vielleicht kann er dir ja auch helfen: https://jungunternehmerpodcast.com/startup-advisory


See acast.com/privacy for privacy and opt-out information.