14. Mai 2025
Woher kommt der Hype, Firmen zu kaufen statt zu gründen?
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Über diese Episode
Die deutsche Unternehmenslandschaft steht vor einer massiven Veränderung: Bis 2028 suchen über 600.000 Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgelösung. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr Unternehmer dafür, bestehende Firmen zu übernehmen, anstatt neue zu gründen. Was steckt hinter diesem Trend?
Die Nachfolgekrise als Chance
Der demografische Wandel macht sich besonders bei Familienunternehmen bemerkbar. Viele Gründer der Nachkriegsgeneration gehen in den Ruhestand, während ihre Kinder oft andere Karrierewege einschlagen. Das Ergebnis: Unternehmen mit etablierten Strukturen, bewährten Geschäftsmodellen und stabilen Umsätzen suchen externe Käufer.
Diese Entwicklung schafft eine einzigartige Gelegenheit für Unternehmer, die den mühsamen Aufbau eines Startups umgehen möchten. Statt bei null anzufangen, können sie auf bestehende Fundamente aufbauen.
Warum Übernahmen immer attraktiver werden
Firmenkäufe bieten gegenüber Neugründungen mehrere entscheidende Vorteile:
Reduziertes Marktrisiko: Bei einer Übernahme ist bereits bewiesen, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Du überspringst die riskante Phase der Produktentwicklung und Marktvalidierung.
Bestehende Strukturen: Kunden, Lieferanten, Prozesse und oft auch Teams sind bereits vorhanden. Das ermöglicht eine deutlich bessere Planbarkeit als bei einer Neugründung.
Sofortige Umsätze: Während Startups oft Jahre brauchen, um profitabel zu werden, generieren übernommene Unternehmen meist vom ersten Tag an Einnahmen.
Klare Datenbasis: Jahresabschlüsse, Kundenverträge und Marktdaten bieten eine solide Grundlage für Geschäftsentscheidungen.
Die Kehrseite der Medaille
Doch Übernahmen bringen auch spezifische Risiken mit sich. Während du Produkt- und Marktrisiken minimierst, übernimmst du dafür Team- und Kulturrisiken. Bestehende Mitarbeiter müssen sich an neue Führung gewöhnen, etablierte Prozesse können veraltet sein, und die Unternehmenskultur passt möglicherweise nicht zu deiner Vision.
Finanzierung: Weniger Eigenkapital als gedacht
Viele potenzielle Käufer schrecken vor den vermeintlich hohen Finanzierungshürden zurück. Dabei sind Firmenkäufe oft mit deutlich weniger Eigenkapital realisierbar als angenommen:
Verkäuferdarlehen: Viele Verkäufer sind bereit, einen Teil des Kaufpreises als Darlehen zu stunden. Das reduziert den Eigenkapitalbedarf und zeigt das Vertrauen des Verkäufers in die Zukunft des Unternehmens.
Bankkredite: Bei profitablen Unternehmen mit stabilen Cashflows sind Banken oft bereit, den Großteil der Finanzierung zu übernehmen.
Kleinere Eigenkapitalanteile: Während bei Startups oft 100% Eigenkapital nötig ist, reichen bei Übernahmen häufig 10-30% des Kaufpreises.
Search Funds: Der Trend aus den USA
Ein besonders interessantes Finanzierungsmodell sind Search Funds, die ursprünglich aus den USA stammen und nun auch in Deutschland Fuß fassen. Das Konzept funktioniert folgendermaßen:
Ein angehender Unternehmer sammelt zunächst Kapital von Investoren, um systematisch nach geeigneten Übernahmekandidaten zu suchen. Wird ein passendes Unternehmen gefunden, stellen die Investoren das nötige Kapital für den Kauf bereit. Der Käufer führt das Unternehmen und erhält im Erfolgsfall eine bedeutende Beteiligung.
Dieses Modell demokratisiert Unternehmenskäufe und ermöglicht es auch weniger vermögenden Unternehmern, größere Übernahmen zu stemmen.
Gründen vs. Übernehmen: Eine Frage des Typs
Beide Wege – Neugründung und Übernahme – haben ihre Berechtigung und sind gleichermaßen anspruchsvoll. Die Entscheidung hängt letztendlich von deiner Persönlichkeit und deinen Zielen ab:
Gründen ist richtig für dich, wenn: Du eine innovative Idee hast, gerne von Grund auf aufbaust und bereit bist, Jahre in die Entwicklung zu investieren.
Übernehmen ist richtig für dich, wenn: Du lieber auf bewährten Strukturen aufbaust, schneller zu Umsätzen kommen möchtest und Freude daran hast, bestehende Unternehmen weiterzuentwickeln.
Fazit: Ein Trend mit Zukunft
Der Hype um Firmenübernahmen ist mehr als nur ein vorübergehender Trend. Die demografische Entwicklung, verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten und neue Modelle wie Search Funds machen Übernahmen zu einer attraktiven Alternative zur klassischen Neugründung.
Für Unternehmer, die den steinigen Weg der Startup-Phase umgehen möchten, bieten sich aktuell außergewöhnliche Chancen. Die Frage ist nicht, ob dieser Trend anhält, sondern wie schnell sich die Nachfrage nach geeigneten Übernahmekandidaten entwickeln wird.
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