13. April 2026
Legal Basics: Diese Stolperfallen bei Finanzierung & Klauseln musst du kennen – Christian Brehm, Anwalt & Partner bei Dissmann Orth
Über diese Episode
Die Finanzierungslandschaft für Startups hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Was früher ein Gründermarkt war, ist heute deutlich investorenfreundlicher geworden. Christian Brehm, Partner bei der Kanzlei Dissmann Orth, erklärt im Gespräch mit Fabian, welche rechtlichen Stolperfallen Gründer:innen kennen sollten und wie sie sich vor unfairen Bedingungen schützen können.
Marktveränderungen und ihre Auswirkungen auf Gründer:innen
Die aktuellen Marktverschiebungen haben direkte Auswirkungen auf Finanzierungsverhandlungen. Wo früher Gründer:innen aus verschiedenen Angeboten wählen konnten, müssen sie heute oft mit weniger attraktiven Termsheets vorliebnehmen. Diese Verschiebung macht es umso wichtiger, die eigenen Rechte zu kennen und zu schützen.
Ein häufiger Fehler ist die Fokussierung ausschließlich auf die Bewertung des Unternehmens. Während eine hohe Valuation verlockend erscheint, können restriktive Klauseln langfristig schwerwiegende Konsequenzen haben – nicht nur für Gründer:innen, sondern auch für Mitarbeitende und das gesamte Unternehmen.
Die wichtigsten Termsheet-Bedingungen im Überblick
Bei der Prüfung eines Termsheets sollten Gründer:innen besonders auf folgende Punkte achten:
Liquidation Preferences stehen dabei im Zentrum. Diese Klauseln regeln, wer bei einem Exit in welcher Reihenfolge ausgezahlt wird. Es gibt verschiedene Arten von Liquidation Preferences, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Gründer:innen haben. Das N26-Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie Darlehen, Verzinsungen und entsprechende Konsequenzen das Endergebnis für Gründer:innen beeinflussen können.
Vesting-Regelungen bieten hingegen sowohl Chancen als auch Vorteile für Gründer:innen. Sie können als Schutzinstrument dienen und gleichzeitig Anreize für langfristiges Engagement schaffen.
Reputation vs. Realität: Wann gute Fonds-Brands täuschen
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass renommierte Fonds automatisch faire Termsheets anbieten. Die Realität sieht oft anders aus: Reputation und tatsächliche Leistung hängen nicht immer zusammen. Selbst etablierte Investoren können Bedingungen vorschlagen, die für Gründer:innen nachteilig sind.
Besonders gefährlich wird es, wenn Gründer:innen alternativlos sind und das "schlechtere" Termsheet akzeptieren müssen. In solchen Situationen ist eine sorgfältige Abwägung zwischen kurzfristiger Liquidität und langfristigen Konsequenzen entscheidend.
Weitere Stolperfallen und wichtige Klauseln
Neben den Hauptverhandlungspunkten gibt es weitere potenzielle Fallen:
- –Verfügungsverbote: Diese Klauseln können die Handlungsfreiheit der Gründer:innen erheblich einschränken
- –Advisory Board-Strukturen: Die Vergabe von Board Seats sollte strategisch durchdacht werden
- –Wandeldarlehen-Bedingungen: Hier unterscheiden sich Business Angels und VCs in ihren Standardterms
Die häufigsten Fehler bei Finanzierungsrunden
Abseits des eigentlichen Termsheets machen Gründer:innen oft Fehler, die vermeidbar wären. Dazu gehören unzureichende Due Diligence, mangelnde Vorbereitung auf Verhandlungen und die Unterschätzung langfristiger Auswirkungen bestimmter Klauseln.
Wandeldarlehen werden übrigens häufiger von Business Angels als von VCs genutzt, wobei beide Gruppen unterschiedliche Standardterms verwenden.
Den richtigen Rechtsbeistand finden
Die Wahl des richtigen Anwalts kann über Erfolg oder Misserfolg einer Finanzierungsrunde entscheiden. Ein guter Startup-Anwalt sollte nicht nur juristische Expertise mitbringen, sondern auch das Geschäftsmodell und die spezifischen Herausforderungen des Unternehmens verstehen.
Entscheidend ist, dass der Rechtsbeistand für und nicht gegen die Gründer:innen arbeitet. Dies erkennt man an transparenter Kommunikation, verständlichen Erklärungen komplexer Sachverhalte und einer proaktiven Beratung, die über das reine Abarbeiten von Dokumenten hinausgeht.
Fazit: Vorbereitung ist der Schlüssel
Die rechtlichen Aspekte einer Finanzierungsrunde sind komplex, aber durchaus beherrschbar. Mit der richtigen Vorbereitung, einem kompetenten Rechtsbeistand und einem grundlegenden Verständnis der wichtigsten Klauseln können Gründer:innen auch in schwierigen Marktphasen faire Deals aushandeln.
Die Investition in qualifizierte Rechtsberatung zahlt sich langfristig aus – sowohl für die Gründer:innen als auch für das gesamte Unternehmen und alle Beteiligten.
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