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13. April 2026

Diese 5 rechtlichen Fragen musst du vor der Gründung & ersten Finanzierung beantworten können

Über diese Episode

Rechtliche Fragestellungen gehören zu den größten Herausforderungen für Gründer. Während dieser Artikel keine Rechtsberatung ersetzen kann, bietet er einen wertvollen Überblick über die wichtigsten rechtlichen Aspekte, die du vor der Gründung und ersten Finanzierung klären solltest.

Gründer Bastian Krautwald, der erfolgreich Finanzierungen von Top-Investoren wie 468 Capital und EQT Ventures erhalten und sein Unternehmen an Getsafe verkauft hat, teilt gemeinsam mit Anwalt Manuel Nikoleyczik von musfeldt. seine Erfahrungen. Beide haben sowohl Finanzierungsrunden als auch den Exit gemeinsam durchlaufen und wissen genau, welche frühen Entscheidungen später erhebliche Auswirkungen haben.

Die Grundlagen: Gesellschaftsform und erste Schritte

Bevor du überhaupt mit der eigentlichen Gründung beginnst, musst du fundamentale Entscheidungen treffen. Die Wahl der richtigen Gesellschaftsform ist dabei der erste kritische Schritt. Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur deine Haftung und Steuerbelastung, sondern auch deine Flexibilität bei späteren Finanzierungsrunden.

Sobald du Mitgründer an Bord holst, wird es juristisch komplex. Die Verteilung der Anteile sollte nicht nur fair, sondern auch zukunftsorientiert durchdacht werden. Hier entstehen oft die ersten Konflikte, die später das gesamte Unternehmen gefährden können.

Vesting: Schutz vor dem vorzeitigen Ausstieg

Vesting-Mechanismen sind essentiell, um dein Unternehmen zu schützen, wenn ein Mitgründer vorzeitig aussteigt. Diese Regelungen bestimmen, wann und in welchem Umfang Anteile "verdient" werden. Ohne solche Mechanismen riskierst du, dass ein Gründer nach wenigen Monaten mit einem erheblichen Anteil verschwindet, während die verbleibenden Gründer die ganze Arbeit leisten.

Ein typisches Vesting erstreckt sich über vier Jahre mit einer einjährigen "Cliff"-Periode. Das bedeutet: Verlässt jemand das Unternehmen vor Ablauf des ersten Jahres, verfallen alle Anteile. Danach werden die Anteile monatlich oder quartalsweise "verdient".

Geistiges Eigentum: IP-Rechte richtig übertragen

Die korrekte Übertragung von geistigem Eigentum (IP) ist oft unterschätzt, aber kritisch für den Unternehmenswert. Alle Entwicklungen, Ideen und Erfindungen, die im Rahmen der Tätigkeit für das Startup entstehen, müssen eindeutig dem Unternehmen zugeordnet werden.

Besonders kompliziert wird es, wenn Gründer bereits vor der offiziellen Gründung an der Idee gearbeitet haben oder Erfahrungen aus vorherigen Tätigkeiten mitbringen. Hier müssen klare Abgrenzungen geschaffen werden, um spätere Konflikte zu vermeiden.

Der richtige Zeitpunkt für rechtliche Beratung

Viele Gründer scheuen anfangs die Kosten für rechtliche Beratung. Das ist ein Fehler, der später teuer werden kann. Der richtige Zeitpunkt, einen Anwalt zu konsultieren, ist bereits vor der Gründung – nicht erst, wenn Probleme auftreten.

Für die grundlegende Beratung gibt es sogar staatliche Unterstützung: Der BAFA Investment Zuschuss kann einen Teil der Beratungskosten übernehmen. Diese Investition zahlt sich langfristig aus, da spätere Korrekturen meist deutlich teurer sind.

VSOP-Pool und Investorenvorbereitung

Investoren erwarten oft, dass bestimmte gesellschaftsrechtliche Strukturen bereits vor ihrem Einstieg etabliert sind. Dazu gehört insbesondere ein VSOP-Pool (Virtual Stock Option Program) für Mitarbeiter. Diese Erwartung hat praktische Gründe: Investoren wollen nicht nach ihrem Investment eine Verwässerung ihrer Anteile durch nachträglich geschaffene Mitarbeiterbeteiligungen erleben.

Die Vorbereitung solcher Strukturen zeigt Investoren auch, dass du als Gründer professionell agierst und die wichtigsten rechtlichen Aspekte verstehst.

Finanzierungsformen: Equity vs. Wandeldarlehen

Bei der ersten Finanzierung stehen meist zwei Optionen zur Wahl: klassische Equity-Finanzierung oder Wandeldarlehen. Wandeldarlehen sind besonders verbreitet, da sie schneller und kostengünstiger abzuschließen sind. Sie haben aber auch Fallstricke, die oft übersehen werden.

Bei Wandeldarlehen ist besonders auf die Wandlungsmodalitäten zu achten. Schlecht strukturierte Vereinbarungen können bei der späteren Wandlung zu unerwarteten Problemen führen. Auch die Frage der Beglaubigung sollte frühzeitig geklärt werden.

Praktische Empfehlungen

Rechtliche Strukturen sind kein "Nice-to-have", sondern Business-kritisch. Folgende Punkte solltest du unbedingt frühzeitig angehen:

  • Klare Vereinbarungen zwischen Mitgründern mit Vesting-Regelungen
  • Saubere IP-Übertragung an das Unternehmen
  • Professionelle Dienstverträge für alle Beteiligten
  • Rechtzeitige rechtliche Beratung, idealerweise vor der Gründung

Denk daran: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für deinen spezifischen Fall solltest du zusätzlich einen Anwalt deines Vertrauens konsultieren. Die Investition in professionelle rechtliche Strukturen von Anfang an kann dir später viel Zeit, Geld und Nerven sparen.

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