4. August 2023
Die Gefahr der Bewertungsoptimierung: Warum zu viel Kapital Startups schadet
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Über diese Episode
Founder Collective hat in einige der erfolgreichsten Startups der letzten Jahre investiert – von Uber über Trade Desk bis hin zu Stack Overflow. Managing Partner Micah Rosenbloom bringt eine provokante These mit: Zu viel Kapital kann für Startups gefährlicher sein als zu wenig.
Das Paradox des frühen Kapitals
"Zu viel Kapital in frühen Phasen führt schnell zu schlechten Gewohnheiten und Ineffizienz", erklärt Rosenbloom. Diese Aussage mag zunächst kontraintuitiv erscheinen – schließlich ist Kapital der Treibstoff für Wachstum. Doch die Realität zeigt ein differenzierteres Bild.
Wenn Startups zu früh zu viel Geld erhalten, fehlt oft der natürliche Druck, effizient zu wirtschaften und die richtigen Prioritäten zu setzen. Anstatt Probleme zu lösen, werden sie durch Geld überdeckt – nur um später in noch größerem Ausmaß wieder aufzutauchen.
Warum hohe Bewertungen Gründern schaden können
Viele Gründer fixieren sich auf möglichst hohe Bewertungen bei Finanzierungsrunden. Doch diese Fokussierung kann sich als Bumerang erweisen. Hohe Bewertungen bedeuten auch hohe Erwartungen – und damit einen enormen Druck, diese zu rechtfertigen.
Das Problem: Nicht jedes Startup wird zum Milliardenunternehmen. Wenn die Bewertung die tatsächliche Entwicklung des Unternehmens überholt, entstehen unrealistische Erwartungen bei allen Beteiligten – Investoren, Mitarbeitern und den Gründern selbst.
Das Problem großer VC-Fonds
Große Venture Capital-Fonds sind Teil des Problems geworden. Sie müssen aufgrund ihrer Fondsgröße größere Tickets schreiben und höhere Renditen erzielen. Das führt zu einem systematischen Druck, Startups schneller und aggressiver zu skalieren, als es für deren gesunde Entwicklung förderlich wäre.
Diese Dynamik verstärkt den Trend zu überhöhten Bewertungen und unrealistischen Wachstumserwartungen. Startups geraten in einen Teufelskreis aus Kapitalaufnahme und Wachstumsdruck, der oft nicht nachhaltig ist.
Wenn der Traum platzt: Umgang mit verfehlten Erwartungen
Was passiert, wenn das Startup nicht der "perfekte VC Case" wird? Wenn aus der erhofften Unicorn-Story ein solides, aber nicht exponentiell wachsendes Unternehmen wird?
Rosenbloom betont die Wichtigkeit, frühzeitig ehrlich mit sich selbst und allen Stakeholdern zu sein. Eine Umstrukturierung ist oft unvermeidlich – sowohl finanziell als auch strategisch. Das erfordert Mut zur Realität und die Bereitschaft, ursprüngliche Pläne zu überdenken.
Neue Definition für Unicorns nötig
Die traditionelle Definition von Unicorns – Startups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar – greift zu kurz. Sie fokussiert sich ausschließlich auf die Bewertung, nicht auf die tatsächliche Wertschöpfung oder Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells.
Eine gesündere Betrachtung würde auch Faktoren wie Profitabilität, Marktstellung und langfristige Perspektiven einbeziehen. Nicht jedes erfolgreiche Unternehmen muss ein Unicorn werden, um wertvoll zu sein.
Risiken für das Startup-Ökosystem
Die aktuellen Entwicklungen – überdimensionierte VC-Fonds und unrealistische Erwartungen – bergen Risiken für das gesamte Startup-Ökosystem. Sie führen zu:
- –Ineffizienter Kapitalallokation
- –Überbewerteten Unternehmen ohne nachhaltige Geschäftsmodelle
- –Erhöhtem Druck auf Gründer, unrealistische Ziele zu verfolgen
- –Potentieller Marktverzerrung durch zu leicht verfügbares Kapital
Der Weg zu gesünderen Startups
Startups bleiben auch in späteren Phasen ein Hochrisiko-Geschäft. Die Lösung liegt nicht in noch mehr Kapital, sondern in einem bewussteren Umgang mit Ressourcen und realistischeren Erwartungen.
Gründer sollten sich fragen: Löst zusätzliches Kapital wirklich meine Probleme, oder überdeckt es sie nur? Die ehrliche Antwort auf diese Frage kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Rosenlooms Perspektive zeigt: Nachhaltiger Erfolg entsteht durch Disziplin, Effizienz und realistische Zielsetzung – nicht durch die höchste Bewertung oder das meiste Kapital.
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