Alle Episoden

13. April 2026

Burnout bei Gründer:innen: Warum passiert das immer öfter? – Martin Schilling, MD Techstars Berlin

Über diese Episode

Gründen ist stressig – das weiß jeder, der schon einmal ein Startup aufgebaut hat. Doch warum scheinen Burnouts unter Founder:innen immer häufiger zu werden? Martin Schilling, Managing Director von Techstars Berlin, kennt die Startup-Szene aus nächster Nähe und hat sowohl beruflich als auch persönlich Erfahrungen mit dem Thema Mental Health gesammelt.

Warum sind Gründer:innen besonders burnout-gefährdet?

Startup-Gründer:innen stehen unter einem besonderen Druck, der weit über normalen Arbeitsstress hinausgeht. Sie tragen nicht nur die Verantwortung für ihr eigenes Unternehmen, sondern oft auch für das Geld ihrer Investor:innen und die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter:innen. Diese Verantwortungslast, kombiniert mit der Unsicherheit des Startup-Lebens, schafft einen perfekten Nährboden für mentale Belastungen.

Hinzu kommt der gesellschaftliche Druck: Gründer:innen werden oft als unermüdliche Superhelden dargestellt, die 24/7 für ihr Unternehmen brennen. Diese Glorifizierung der "Hustle Culture" macht es schwer, Schwäche zu zeigen oder um Hilfe zu bitten.

Persönliche Erfahrungen mit Burnout

Sowohl Martin Schilling als auch der Podcast-Host haben eigene Erfahrungen mit Burnout gemacht. Diese persönlichen Einblicke zeigen, dass selbst erfahrene Personen aus der Startup-Welt nicht immun gegen mentale Erschöpfung sind. Die Erkenntnis, ein Burnout zu haben, kommt oft schleichend – viele Betroffene merken erst spät, dass sie bereits über ihre Grenzen hinausgegangen sind.

Warnsignale erkennen

Um Burnout vorzubeugen, ist es entscheidend, die frühen Warnsignale zu erkennen – sowohl bei sich selbst als auch bei Mitgründer:innen. Dazu gehören:

  • Chronische Müdigkeit, die sich durch Schlaf nicht bessert
  • Nachlassende Motivation und Interesse am eigenen Projekt
  • Erhöhte Reizbarkeit und Ungeduld
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Körperliche Symptome wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen

Wichtig ist es, ein offenes Auge für diese Signale zu entwickeln und sie ernst zu nehmen, bevor sie zu einem vollständigen Burnout führen.

Präventive Maßnahmen im Alltag

Prävention ist der Schlüssel. Erfolgreiches Burnout-Management beginnt mit einfachen, aber effektiven Alltagsroutinen:

Abstand gewinnen: Regelmäßige Pausen einzulegen ist nicht optional, sondern notwendig. Das kann bedeuten, bewusst das Handy wegzulegen oder sich feste "Offline-Zeiten" zu schaffen.

Skalierung der eigenen Belastung: Eine hilfreiche Methode ist es, die eigene Belastung regelmäßig auf einer Skala von 1-10 zu bewerten. Dies schafft Bewusstsein für den aktuellen Zustand und hilft dabei, rechtzeitig gegenzusteuern.

Work-Life-Balance: Auch wenn es in der Startup-Welt oft verpönt ist – klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind essentiell für die langfristige Leistungsfähigkeit.

Die Rolle der Finanzierung

Ein oft übersehener Faktor für Gründer-Stress ist die finanzielle Situation. Viele Gründer:innen zahlen sich selbst nur minimale Gehälter oder arbeiten komplett ohne Bezahlung, um das Startup am Leben zu halten. Diese finanzielle Unsicherheit verstärkt den mentalen Druck erheblich.

Bereits in Finanzierungsrunden sollte Mental Health ein Thema sein. Investor:innen können einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie nicht nur auf Wachstumszahlen fokussieren, sondern auch das Wohlbefinden des Gründerteams im Blick behalten.

Was Investor:innen tun können

Investor:innen haben mehr Einfluss auf die Mental Health von Gründer:innen, als vielen bewusst ist. Sie können:

  • Realistische Erwartungen setzen, anstatt unmögliche Wachstumsziele zu fordern
  • Gründer:innen ermutigen, sich angemessene Gehälter zu zahlen
  • Offen über Mental Health sprechen und Unterstützung anbieten
  • Langfristige Nachhaltigkeit über kurzfristiges Wachstum stellen

Systemische Veränderungen in der Startup-Szene

Um das Burnout-Problem langfristig zu lösen, braucht es Veränderungen auf systemischer Ebene. Die Startup-Szene muss weg von der Glorifizierung des permanenten Stresses hin zu einem gesünderen Verständnis von erfolgreichem Unternehmertum.

Dazu gehört auch, dass erfolgreiche Gründer:innen offen über ihre mentalen Herausforderungen sprechen und zeigen, dass Verletzlichkeit keine Schwäche ist, sondern ein wichtiger Teil des menschlichen Unternehmertums.

Mental Health bei Gründer:innen ist kein Luxusthema, sondern ein business-kritischer Faktor. Nur wer langfristig gesund und motiviert bleibt, kann ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen. Die Zeit ist reif für einen Kulturwandel in der Startup-Welt.

Unicorn Bakery

Deine Marke. 600+ Episoden. Tausende Gründer.

Erreiche die ambitioniertesten Gründer Deutschlands als Podcast-Sponsor.

Sponsor werden